Zivilcourage leben – sechs Punkte sind Programm

 

Reinhold Hepp, Vizepräsident und Leiter des Führungs- und Einsatzstabes der Polizei Ulm, und Dr. Roland Bertet, ehemaliger Rektor der Philipp-Matthäus-Hahn Gemeinschaftsschule, Kornwestheim, haben das Projekt Mutbilder maßgeblich inhaltlich und pädagogisch beraten.  Beide hatten im Rahmen einer Handreichung für die schulische und außerschulische Jugendarbeit zusammen mit der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK), Bonn, zum Thema Rechtsextremismus Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die Handreichung „VorBILDER“ des DFK wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Innern von der Soziologin Antje Gansewig entwickelt.

Hier ein Auszug ihrer sechs wichtigen Punkte für Zivilcourage:

Grundsatz: Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen und zivilcouragiert handeln. Wichtig ist, helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen!

1. Gefahrlos handeln!
Manchmal hilft schon ein lautes Wort oder eine kleine Geste, um Täter einzuschüchtern und von ihrem Vorhaben abzubringen. Mitstreiter suchen, Polizei umgehend verständigen.

2. Mithilfe fordern!
Nicht warten, sondern sofort handeln und umstehende Personen gezielt auf den Vorfall ansprechen. Einer direkten Ansprache entziehen sich Menschen nicht so schnell: Andere aktiv und direkt zur Mithilfe auffordern!

3. Genau hinsehen!
Jedes Detail einprägen: Was passiert? Wie sehen die Täter aus? Welche Sprache sprechen sie? Täter aufmerksam beobachten und Tätermerkmale einprägen!

4. Hilfe holen!
Jede Sekunde zählt. Bei einem Notruf der Polizei das Geschehen in wenigen Worten, aber dennoch umfassend schildern („Wer?”, „Was?”, „Wo?”, „Wann?”).Hilfe organisieren unter Notruf 110!

5. Opfer versorgen!
Erste Hilfe ist die beste Hilfe. Jedes Opfer unverzüglich versorgen. Jede Sekunde kann über Leben und Tod entscheiden. Rettungsdienst rufen, um Opfer kümmern!

6. Als Zeuge mithelfen!
Viele Täter kommen ohne Strafe davon, weil sich Zeugen nicht bei der Polizei melden. Jede Aussage ist für die Aufklärung einer Straftat und zur Ergreifung eines Täters hilfreich: Sich als Zeuge zur Verfügung stellen!

Bei Vorfällen mit Gewaltanwendung und mehreren Tätern besonders vorsichtig sein. Besser immer zuerst die Polizei verständigen, Hilfe holen, möglichst nichtalleine eingreifen! Auf der Website www.mach-den-unterschied.de gibt es ein Online-Training für Zivilcourage. Hier können Nutzer praktisch üben, wie man reagieren kann, wenn man im Alltag mit Diskriminierung, Rassismus oder Rechtsextremismus konfrontiert wird. Oberstes Motto: Alles ist besser als Wegschauen und Nichtstun. Sich einmischen, Position beziehen, macht den Unterschied.

(Deutsches Forum für Kriminalprävention (2015): „VorBILDER“. Handreichung für die schulische und außerschulische Jugendarbeit. Bundesministerium des Innern (Hrsg.))